|
Reisen mit der Relativitätstheorie
Aus dem Tagebuch von Ren Greb einem Expeditionsteilnehmer zum Planeten X.
Tagebucheintrag Nr. 1 1.Februar 2010
Ich komme aus dem Urlaub zurück. War im wunderschönen Harz in Deutschland. Das Taxi hält vor meinem Haus. Gut, das ich mich erholt habe. Laub muss gefegt werden, irgendwer hat ein Graffiti an der Hauswand hinterlassen. Taxifahrer: „So etwas haben wir früher nicht getan“! Ich bezahle wortlos. Schließe Haustür auf, ein Stapel Post und Zeitschriften schiebe ich beim Öffnen der Tür zur Seite. Gehe erst mal ins Wohnzimmer und leere Koffer und Reisetasche. Nach dem Einstellen der Heizung wird es gemütlich und ich wende mich der Post zu. Rechnungen vom Wasserwerk und anderen Einrichtungen. Unwichtige Werbebotschaften kommen gleich zum Papiersammler. Hätte um ein Haar einen unscheinbaren aber mit wichtigem Inhalt versehenen Brief entsorgt. Auf diese Nachricht habe ich schon lange gewartet! Ich soll schon morgen in die Raumfahrtzentrale kommen. Man will eine Mannschaft für ein Raumfahrprojekt zusammenstellen. Hoffentlich erfülle ich alle Anforderungen.
Eintrag Nr. 2 2. Februar 2010
Heute Morgen kaltes Wasser – fängt ja gut an der Tag. Taxi wartet schon, muss los. Nach einer Stunde Bahnfahrt wieder ins Taxi und zur Raumfahrtzentrale quer durch die Wüste gerast. Nach der Anmeldung, warten. Warten mit vielen anderen. Ich sehe mich um finde aber niemanden der mir bekannt ist. Dann endlich, Raum 302, Kommission sitzt schon. Wir werden informiert über ein wichtiges Unternehmen der RAFAZE.
Irgendein Hobby-Radioastronom hat Signale empfangen die eindeutig künstlichen Ursprungs sind! Wieder einmal ein Laie! Die Signale wurden schon von mehreren größeren Radioteleskopen überprüft und bestätigt. Sie kommen eindeutig aus unserer Galaxie. 1000 Lichtjahre von uns entfernt. Da hat man schon das ungeheure Glück zu erfahren, „wir sind nicht allein“ da muss es ausgerechnet so weit weg sein! Trotzdem ließ mich diese Nachricht innerlich jubeln. Jetzt wird das wahr was ich schon längst erträumt hatte. Darf dabei sein! Dabei sein die Fremden zu besuchen. Noch muss ich Hoffen.
Eintrag Nr. 3 3. Februar 2010
Die Kommission hat noch nicht alle Teilnehmer zusammen. Ich stehe wieder mal ganz unten in der Liste. Am liebsten würde ich in den Raum stürmen und herausschreien: „Hier bin ich“! Die, die schon bestätigt waren kamen gleich in eine abgeschlossene Abteilung, getrennt von den öffentlichen Gebäuden. Mehr habe ich noch nicht erfahren können.
Eintrag Nr. 4 5. Februar 2010
Heute musste ich mich der Kommission vorstellen. Musste viele Fragen über mich ergehen lassen. Nach fünf Stunden Quälerei, ich saß wie auf glühenden Kohlen, wurde mir mitgeteilt, dass ich als letztes Mitglied der neuen Mannschaft bestätigt bin. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Das Bangen der letzten Tage war vorbei. Jetzt hatte ich ein neues Ziel vor Augen. Mir fällt ein, mein Haus, meine Katze und die Salzwasserfische, wohin damit? Die Reise dauert bestimmt länger als zwei Tage. Da wir nicht mehr nach Hause durften rief ich meine Eltern an und informierte sie, dass ich für längere Zeit nicht da sein werde und sie sich um alles kümmern müssten. Richtige Freude kam da nicht auf, denn ich war ja erst von einem vierwöchigem Urlaub aus Deutschland zurück und sie verstehen nicht warum ich so plötzlich und dringend weg muss.
Eintrag Nr. 5 10. Februar 2010
Die letzten Tage waren ziemlich aufregend. Fast jede Stunde brachte neue Überraschungen. Mal war dies und dann wieder jenes. Für uns wurde gesorgt als wären wir Kinder die mit den Widrigkeiten des Alltags nicht fertig wurden. Ein bisschen stimmte es auch, denn den engen Arbeitsplan den wir haben ist nur so zu bewältigen.
Eintrag Nr. 6 15. Februar 2010
Viel ist geschehen. Ich komme immer weniger dazu Notizen im Tagebuch zu machen.
Eintrag Nr. 7. 22. Februar 2010
Heute habe ich zum ersten Mal die Signale der Fremden hören dürfen. Rauschen, knattern, jaulen und pfeifen übertönte den Ton der alle in Bann zog. Nach einer Weile des Zuhörens ließen sich deutlich Laute ähnlich den unseren heraushören. Ich war aufgeregt.
Eintrag Nr. 8. 24. Februar 2010
Gleich nach dem Frühstück war eine Versammlung anberaumt. Uns wurde mitgeteilt, dass wir unseren Flugplan nach den Erkenntnissen der Relativitätstheorie absolvieren. Das heißt diese Reise über 1000 Lichtjahre würde nicht länger dauern als die Weltumsegelung von Magellan die er 1519-1521 unternahm. Magellan selbst hat ja das Ende der Reise nicht erleben dürfen. Na ja, wir werden schon länger als zwei Jahre unterwegs sein, sollte nur so ein Vergleich sein. Möglich geworden ist dieses Unternehmen weil die UFO-Abstürze 1947 in Mexiko unseren Wissenschaftlern und Ingenieuren die Technik dazu in die Hand gegeben hatte. Es muss lange gedauert haben diese Technik zu verstehen, noch schwieriger muss die praktische Anwendung gewesen sein. Ich habe nur soviel mitbekommen, dass es kein normaler Raketenmotor ist sondern es soll ein Motor sein der die Schwerkraft steuern kann. Die technischen Dinge sind nicht mein Arbeitsbereich, ich bin für die Navigation zuständig.
Eintrag Nr. 9 28. Februar 2010
Die Computer-Spezialisten konnten die Sprache der Anderen besser herausfiltern. Jetzt kann man schon einzelne Wörter unterscheiden. Wenn es Wörter sind!? Die Experten für außerirdische Kommunikation sind jetzt am entschlüsseln dieser Nachricht. Morgen besichtigen wir unser Raumschiff und probieren unsere Raumanzüge. Ich beschäftige mich mit Hochdruck mit der Relativitätstheorie. Bis jetzt habe ich mitbekommen, dass die Navigation eine völlig andere ist als die, die ich bisher auf Schiffen und Flugzeugen erledigen musste. Zeitdehnung, Längenverkürzung sind ausschlaggebenden Faktoren.
Eintrag Nr. 10 3. März 2010
Das Relativitätsprinzip will mir nicht richtig in den Kopf.
„Die physikalischen Gesetze haben in allen Inertialsystemen dieselbe Form. Alle Inertialsysteme sind gleichberechtigt – es gibt kein ausgezeichnetes System. Jede Geschwindigkeit eines Objektes oder Systems ist immer nur eine Relativgeschwindigkeit und macht deshalb nur Sinn wenn sie in Bezug auf ein Inertialsystem angegeben wird.“
Ich begreife nicht, warum dann diese Relativitätstheorie, wenn alle Systemen sowieso gleichberechtigt und die physikalischen Gesetze überall gleich sind?
Eine kritische Diskussion mit meinem Professor endete unfreundlich, er drohte sogar mich auszuschließen! Das ist das letzte was ich will und deshalb gab ich klein bei und „Verstand“ die Relativitätstheorie! Ich will ja zu diesen Fremden. Wann hat und bekommt man schon solch eine Change?
Eintrag Nr. 11 4. März 2010
Das Thema war heute die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit die bereitete mir wieder Kopfschmerzen.
„Die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum c hat in jedem Inertialsystem denselben Wert (gerundet 300000km/s), ist vom Bewegungszustand der Quelle unabhängig wie von dem des Beobachters“.
Der Professor schaute mich schon ärgerlich an, er sah wahrscheinlich wie ich innerlich mit mir kämpfte und dadurch wohl ungläubig dreinschaute. Ich unterließ es eine Diskussion zu entfachen deren Ende auch mein Ende bei dieser Mission gewesen wäre.
Trotzdem erschien mir dieses Postulat irgendwie nicht passend zur Relativitätstheorie. Mein Problem: „Wenn die Lichtgeschwindigkeit c überall gleich ist, also 300000km/s schnell ist und überall gilt, dann muss überall die gleiche Länge und gleiche Zeit vorhanden sein, oder?
Denn Km sind 1000 Meter und 1 Meter ist ein von uns festgelegtes Maß damit jeder weiß von was der Andere spricht. Genauso verhält es sich mit der Sekunde s. Diese Einheit hat eine von uns festgelegte Länge! Wenn ich mir diese Tatsache vor Augen halte und das Postulat anwende, dann muss der Meter und die Sekunde im hintersten Winkel im Universum genau so lang sein wie bei mir hier in diesem Zimmer egal wie und von wo aus ich beobachte.
Langsam macht sich in mir ein ungutes Gefühl breit.
Anmerkung:
Das wichtigste Hilfsmittel eines Physikers zur Herleitung von Naturgesetzen sind Messungen. Eine physikalische Größe zu messen heißt, dass man sie mit einer vorgegebenen Maßeinheit nach bestimmten Verfahren vergleicht. Bei der Längenmessung ist diese vorgegebene Maßeinheit 1 Meter. Längen werden mit einem Maß gemessen, das man längs der zu messenden Größe anlegen oder abtragen kann.
Eine Wegstrecke ist erst dann eindeutig festgelegt, wenn ihre Länge und ihre Richtung bekannt sind.
In den Naturwissenschaften, vor allem in der Physik, spielt die physikalische Größe ZEIT eine bedeutende Rolle. Für die Zeitdefinition verwendet man gleichmäßig sich wiederholende periodische Vorgänge, zum Beispiel den Umlauf der Sonne von einem Höchststand bis zum nächsten Höchststand an einem bestimmten Ort. Auch die Hin- und Herbewegung eines Pendels wäre als Definitionsgrundlage denkbar.
Aus: „Physik – Formeln und Gesetze“ ISBN 978-3-8174-5098-5
Eintrag 12 6. März 2010
Theoretische Ausbildung in der Festlegung der Route durch unsere Galaxie. Längenbestimmung, Zeitaufwendung für den direkten Flug zum Planet X. Als Fakten bekamen wir 1000 Lichtjahre Entfernung und die voraussichtliche Geschwindigkeit von 0,999c unseres Raumschiffs. Mit diesen Zahlen mussten wir die Zeit und die Lebensmittel errechnen die wir bis dorthin brauchten. Für mich war klar: „Entfernung durch Geschwindigkeit ergeben rund 1001,1 Lichtjahre“ diese Zeit brauchen wir. Da habe ich es sein lassen unsere Lebensmittel zu bestimmen, denn solange Leben wir nicht!
Doch unser Professor errechnete mit Hilfe der Relativitätstheorie einen ganz anderen Wert der viel zuversichtlicher klang.
Zunächst brauchen wir den k-Faktor um mit seiner Hilfe die Reisezeit zu errechnen.
K= 1/Wurzel aus 1-0,999²/c²
K= 1/Wurzel aus 1-0,998001/1 (die Berechnung erfordert, dass aus c² = 1 wird.)
K= 1/Wurzel aus 1-0,998001
K= 1/Wurzel aus 0,001999
K= 1/0,0447101
K= 22,36631
Die Reisezeit errechnet sich aus Entfernung/Faktor K
Reisezeit = 1000 Lichtjahre/22,36631
Reisezeit = 44,71 Jahre Hinflug
Hinflug + Rückflug = 89,42 Jahre Reisezeit gesamt plus 2 Jahre Forschungszeit sind 91,42 Jahre insgesamt! Also da möge noch einer sagen, die Relativitätstheorie taugt zu nichts. Bin Begeistert. Und jetzt konnte ich mich dunkel erinnern an diese Rechenart, dass war in der frühen Studienzeit, da hatten wir mal kurz die Relativitätstheorie durchgenommen.
Da war doch noch was, ach ja, die zurück Gebliebenen mussten auf die Reisenden länger warten, manchmal viel länger als sie überhaupt lebten. Da müssten in unserem Fall meine Eltern auf mich: Entfernung/Geschwindigkeit = Warten.
Also: 1000/0,999 = 1001,1
1001,1 Jahre warten! Das hat mich vom Sockel gehauen! Aber das ist doch eigentlich die reguläre Reisezeit!?
Eintrag 13 7. März 2010
Ich konnte in der heutigen Ausbildung keinen klaren Gedanken fassen. Ich bin bloß ca. 91,5 Jahre weg und zu Hause vergehen 1001,1 Jahre. Da sehe ich meine Eltern, Freunde, mein Haus – nichts sehe ich mehr, alles ist weg. Die Gedanken kreisen um nichts anderes mehr. Mir ist als ob der Kopf zu eng ist. Hat die Reise unter diesen Voraussetzungen überhaupt einen Sinn?
Eintrag 14 8. März 2010
Heut ist der letzte Tag auf dieser Erde. Die nächsten Jahre – was werden sie bringen? Alles ist in unserer Blechbüchse, andere sagen respektvoll Raumschiff, verstaut. Die privaten Dinge die wir nicht mitnehmen sind längst zurück geschickt an die Eltern. Ich war noch einmal beim Professor um meine Bedenken anzumelden hinsichtlich der Zeit die wir benötigen sollen. Und nicht nur wegen der Zeit. Was ist wenn der Effekt der Relativitätstheorie nicht eintritt? Wie sollen wir überleben? Woher die Lebensmittel nehmen? Von der benötigten Energie gar nicht erst zu sprechen. Der Atomreaktor soll zuverlässig für 200 Jahre Energie liefern, also völlig ausreichend für unsere Reise oder auch nicht. Für unsere Lebenszeit allemal!
Der Professor beruhigte mich mit den verschiedensten Argumenten. Die Relativitätstheorie ist schon viele Male zu 100% bestätigt worden. Er führte das GPS an, welches ohne die Relativitätstheorie nicht funktionieren würde. Er erwähnte die Myonen die eine kurze Lebensdauer haben und niemals die Erdoberfläche erreichen könnten wäre nicht der Effekt der Relativitätstheorie oder das Experiment von Hafele und Keating von 1971 welches ausreichend beweist, dass die Relativitätstheorie recht hat usw.
Ich kann mir nicht helfen, wie kann es sein, dass wir langsamer als das Licht sind und nur 44,71 Jahre für den Hinweg brauchen und das Licht, welches schneller ist, 1000 Jahre dazu brauch?
Wenn da man der Professor und seine Kollegen sich nicht irren!
Eintrag 15 9. März 2010
09.55 Uhr. Wir sitzen im Raumschiff und warten auf den Start, gleich geht es los.
10.00 Uhr. Start.
10.10 Uhr. Also, das ist ja mal ein Start gewesen, kein Druck gespürt, nichts, gar nichts. Obwohl wir darauf vorbereitet wurden, dass die Alien-Technologie nicht mit unserer Technik vergleichbar ist, war ich doch überrascht. Ich erwartete zumindest ein Ruck wenn das Raumschiff beschleunigt aber nichts dergleichen. Der Start war von 0 auf 0,999c erfolgt und in umgekehrter Reihenfolge werden wir stoppen, das heißt von 0,999c auf 0. Keine quälend lange Beschleunigungs- und keine Bremsphase. Für mich bedeutet das, dass ich keine komplizierten Berechnungen machen muss. Nach einer Weile als sich die Aufregung gelegt hatte, wollte jeder nach draußen sehen und sehen wie die Erde kleiner wird und die Sterne nur so an uns vorbeirauschen. Die Erde wurde zusehends kleiner, bald war sie im Dunkel des Universums verschwunden nur die Sonne leuchtete wie eh und je wurde aber zusehends kleiner.
Eintrag 16 11. März 2010
Zwei Tage sind wir schon unterwegs und haben noch 44,71 Jahre vor uns laut Relativitätstheorie. Meine Navigation war schwieriger als zu Anfang vermutet. Vor uns nur harte Strahlung, nichts woran ich mich orientieren konnte, keine Sonnen oder Galaxien die ich als Fixpunkte benutzen konnte. Hinter uns dunkel wie in einem Bärenar... Die beste Sicht war in einem Winkel von 90° quer zur Flugrichtung. Wer da meint, man sieht die Sterne und Galaxien bei dieser Geschwindigkeit vorbeirauschen, der irrt! Nur weil wir wussten, das der Raketenmotor mit voller Leistung uns mit 0,999c durch das Universum jagt, hatten wir die Gewissheit, wir bewegen uns. Es schien als ob unser Raumschiff stillstand und mitten zwischen den Sternen hing. Die Sterne stehen genauso still, als würden wir von der Erde aus in den Sternenhimmel schauen. Es ist wie bei einer Bahnfahrt, der Horizont scheint sich auch nicht zu bewegen obwohl der Zug mit 120Km/h dahinrast.
Eintrag 17 12. März 2010
Mich beschäftigt immer noch die Grundlage unserer Reise, die Längenverkürzung in Fahrtrichtung und die Zeitdehnung bei hoher Geschwindigkeit. Also gemessen an den Sternen scheinen wir still zu stehen, man kann jetzt nicht nachweisen ob wir uns bewegen oder nicht. In Flugrichtung sollte jetzt eine Verkürzung der Strecke deutlich sichtbar sein, die Galaxie die wir durchqueren müsste gestaucht erscheinen. Wenn aber ...
Eintrag 18 3. Juni 2012
Zwei Jahre ist es nun her als ich die letzte Eintragung machte. Grund war eine Havarie verursacht durch einen Meteoriten der erheblichen Schaden anrichtete unter anderem an der Steuerung der Motoren, der Sauerstoff- und Wasseraufbereitung, der Energieversorgung und Rumpf der Raumschiffes. Langsam beruhigt sich die Lage und das Leben normalisiert sich wieder. Wir hatten großes Glück.
Fast die Hälfte der Strecke liegt hinter uns. Ich muss neu berechnen bevor wir die Motoren wieder starten. Da wir zu Beginn der Reise 44,71 Jahre Hinflug errechneten und jetzt die Hälfte hinter uns liegt, liegen laut Adam Riese noch 22,355 Jahre vor uns. Das Raumschiff hat immer noch die Geschwindigkeit 0,999c.
Also k-Faktor errechnen.
K= 1/Wurzel aus 1-0,999²/c²
K= 22,36631
Nun noch die Reisezeit errechnen aus restlicher Entfernung/Faktor K
22,355/22,36631
Restliche Reisezeit = 0,9994943 Jahre!
Ich staunte nicht schlecht nur noch knapp ein Jahr bis zur Ankunft! Wenn ich nach der Hälfte der restlichen Zeit noch mal Berechne, dann sind wir ja gestern schon da!
Eintrag 19 7. Juni 2012
Gestern mit dem Kapitän gesprochen, weil mir durch die neue Berechnung aufgefallen ist, das mit der verbliebenen Reisezeit etwas nicht stimmt und auch nicht stimmen kann.
Ich erklärte ihm den Sachverhalt: „Wir fliegen mit 0,999c, statt der normalen Zeit von 1001,1 Jahre für diese Strecke von 1000 Jahren, brauchen wir nach der Relativitätstheorie nur 44,71 Jahre. Durch die Havarie musste ich alles neu Berechnen und das ist der Punkt wo ich Hilfe brauche. Also vor uns liegen doch in Fahrtrichtung nur noch 22,35 Jahre, da wir die Hälfte bereits hinter uns haben. Wir fliegen mit 0,999c unserem Ziel entgegen also bekomme ich als neues Ergebnis bei einer erneuten Berechnung, nur noch 0,9994943 Jahre als Reisezeit. Sehen Sie in welchem Dilemma ich stecke?“ Frage ich ihn. „Da nun nach der neuen Rechnung 0,9994943 Jahr noch vor uns liegen, kann ich ja wieder neu berechnen und zwar jetzt nur noch mit 0,9994943 Jahr als Entfernung, die Geschwindigkeit bleibt ja dieselbe“.
Mit dem nächsten Ergebnis kann ich so weiter verfahren, mit dem nächsten und nächsten ...
Was soll ich mit unsicheren Angaben anfangen?“. Stille.
„Kapitän?“. Nachdenkliche Ruhe. „Sie sind doch ausgebildeter Navigator? Berechnen Sie mir die Route von der Erde bis zu diesem rufenden Planeten X, unserem Ziel, nach dem üblichen Verfahren und nicht nach dieser Relativitätstheorie mit ihrer Lorentztransformation und dem ganzen Quatsch! Bis Morgen möchte ich einen vollständigen Bericht!“.
Eintrag 20 8. Juni 2012
Die ganze Nacht fast gar nicht geschlafen zu sehr gehen mir widersprüchliche Gedanken durch den Kopf. Ich kann es drehen wie ich will die Relativitätstheorie wird mir immer mehr zum Blendwerk.
Nach der klassischen Physik brauche ich 1001,1 Jahre da gibt es nicht zu rütteln. Denn wenn ich 0,999c schnell bin dann kann ich nicht schneller als c sein, denn c brauch 1000 Jahre für die gleiche Strecke.
Dann überprüfte ich an welchem Punkt der Strecke wir uns befinden. Laut Relativitätstheorie müssten wir jetzt 50% der Strecke bewältigt und damit 500 Lichtjahre zurück gelegt haben. Mit einer einfachen Dreiecksberechnung, die ich vorsichtshalber schon am Anfang von der Erde aus vornahm, da mir die Zeitdifferenzen Unbehagen bereiteten. Dazu hatte ich eine Galaxie als Bezugspunkt ausgewählt, die mit der Erde und dem Planeten X ein Dreieck bildete. Die Grundlinie des Dreiecks war dabei die Strecke zwischen den Planeten. Durch einfache Winkelmessung konnte ich nun feststellen, das wir längst nicht Hälfte der Strecke zurückgelegt hatten. Wir hatten gerade mal 2 Lichtjahre überschritten! Und das stimmt auch mit der Normalen Berechnung überein, denn mit 0,999 c schafft man in etwas mehr als zwei Jahren eben ein bisschen mehr als 2 Lichtjahre!
Der Rest der Nacht ging drauf um den Bericht für den Kapitän zu schreiben, Der Bericht hatte den Umfang einer halben DIN A 4 Seite. Ob er mir Glaubt?
Eintrag 21 9. Juni 2012
9.00 Uhr Rapport beim Kapitän. Ich war nicht zu spät aber auch nicht zu früh. Ich öffnete die Tür zum Versammlungsraum und sah, dass alle Verantwortlichen der einzelnen Decks anwesend waren. Also musste es sehr wichtig sein. Versammlung wurde eröffnet. Ich wurde aufgefordert meinen Bericht zu verlesen. Tiefe Stille. Niemand konnte verstehen, dass die Relativitätstheorie versagt hatte. Dann wurden Stimmen laut die forderten meine Messungen zu überprüfen weil ich mich wahrscheinlich vermessen habe. Einige behaupteten ich sei schon immer gegen Einstein gewesen und das ich ihm den Ruhm neide! Andere riefen: „Der hat keine Physik und Mathematik Studiert und deshalb keine Ahnung von der Relativitätstheorie!“. Ich verstand nicht? Saßen wir nicht in denselben Boot? Haben sie nicht bemerkt, dass wir uns fast nicht von der Stelle bewegt haben? Haben sie keine Augen im Kopf, können sie sich selbst keinen Reim darauf machen? Der Kapitän bemerkte meine Sprachlosigkeit und machte das einzig Vernünftige, er stellte eine Kommission zusammen die unabhängig von mir überprüfen sollte wo wir uns befinden.
Eintrag 22 10. Juni 2012
9.00 Uhr Rapport. Der Raum war brechend voll. Die Stellvertreter der Verantwortlichen waren auch dabei. Alle wollten wissen was aus der Mission wird. Der Kommissionsvorsitzende verlass seinen Abschlußbericht. Wieder Stille! Hatten sie richtig gehört? Der neue Bericht war fast mit meinem identisch, bis auf wenige Worte. Mir fiel ein Stein vom Herzen! Habe ich doch richtig gerechnet! Die Rufer von gestern hatten es nicht nötig sich bei mir zu entschuldigen. Offen gesagt ich brauche diese Entschuldigung auch nicht, denn ich weiß was ich weiß und brauche mich nicht in ihren verbalen Sumpf zu begeben.
Viel wichtiger war jetzt die Frage: „Was machen wir jetzt?“. Die Tausend Jahre bis zum Planeten X schaffen wir nicht, auch wenn wir mit 0,999c fliegen. Ich schlug vor bis zum nächsten Stern weiter zu fliegen da wir ohnehin die halbe Strecke dorthin zurück gelegt haben. Wir könnten das Sonnensystem erforschen, vielleicht finden wir einen Erdähnlichen Planeten. Jetzt wo wir über die nötige Raumfahrttechnik verfügen, könnten wir später dort eine zweite Erde schaffen. So sind wir wenigstens nicht umsonst unterwegs gewesen. Der Vorschlag wurde aufgenommen. Der Kontakt mit dem Planeten X muss eben vorläufig einseitig verlaufen. Vielleicht bringt uns die Zukunft Raumschiffe die mit Überlichtgeschwindigkeit fliegen können! Man soll nie „Nie“ sagen! Bis jetzt hat der Mensch immer seine Grenzen überschritten!
Ren Greb
Nachtrag:
Ich kann nicht verstehen wie die Relativitätstheorie Einzug in der Physik halten konnte? Wie kann man die absolute Zeit und absoluten Raum so vergewaltigen? Es muss doch einem geschulten Gehirn unendlich schmerzen so etwas mit anzusehen.
Meine Vermutung, da wollte jemand austesten, wie viel Blödsinn man der Menschheit auftischen kann. Man nehme Theorie plus mathematische Formeln plus gehörig viel Mut plus Verwirrung stiften, das Ganze multipliziert mit Angst der Gelehrten in wichtigen Positionen und Ergebnis ist die „Relativitätstheorie“!
Sollten sich trotz alledem Gegner finden, dann greife man zu altbewährten Mitteln.
Die da wären: Empört reagieren, weil der Gegner eine angesehene Person angreift. Den Gegner als Verbreiter von Gerüchten darstellen. Dem Gegner ungenügende Qualifikation nachreden und unterstellen, er sei nicht in der Lage die Relativitätstheorie zu verstehen. Argumente des Gegners nicht zur Kenntnis nehmen oder falsch auslegen. Deutlich machen, das der Gegner aus der rechten Ecke kommt, Antisemit ist oder fanatischer Verschwörungstheoretiker. Argumente einwerfen, die vom eigentlichen Thema ablenken.
Grundsätzlich behaupten, dass die Argumente des Gegners keine Beweise enthält und jeglicher Logik entbehrt. Sich nicht auf eine sachliche Diskussion einlassen. Den Gegner auffordern, Beweise zu liefern und dann behaupten, das wurde schon tausendmal durchgekaut und nicht wert drüber zu reden. Behaupte, das der Gegner einer Verschwörung angehört und deren Befehle ausführt. Dem Gegner beibringen, dass die Relativitätstheorie viel zu komplex ist um sie von einfachen Menschen zu verstehen. Ignorieren der Tatsachen die der Gegner als Beweise liefert. Es hilft auch dem Gegner Rechtschreib-, Grammatik- und Ausdrucksfehler nachzuweisen um ihn dumm aus sehen zu lassen. Den Gegner provozieren, ihn emotional werden lassen, seine Reaktion kritisieren und behaupten er verträgt keine Kritik. Falls der Gegner bis hierher durchhält dann das Ganze immer wieder wiederholen bis man ihn Klein hat oder er hat es satt und er sich nicht mehr blicken lässt!
Solche und ähnliche Erfahrungen musste ich in Foren machen in denen ich persönlich gemeldet war. Ich musste feststellen, dass in Foren in denen ich nur zum Lesen war, das gleiche Muster vorherrschte. Jeder Gegner der Relativitätstheorie, egal ob studierter Physiker oder interessierter Laie, wird Verbal niedergemacht ohne seine Argumente auch nur im mindesten anzuhören.
Ren Greb
|